Kuba

ca_kuba_19Die Mehrzahl der Kubareisenden hat eine ganz fixe Vorstellung von dem, was sie auf Kuba erwartet: Salsa und karibische Lebensfreude, Rum und Zigarren, weiße Sandstrände und Palmen, Castro und Hemingway und viele, liebevoll restaurierte, alte amerikanische Autos. Diese Erwartungen werden sich erfüllen, wenn sich der Tourist in den hermetisch abgeriegelten Urlaubsenklaven von Cayo Coco oder Varadero einnistet und diese, wenn überhaupt, nur in organisierten Ausflügen verlässt.

Was er nicht sehen wird: Die Folgen sozialistischer Mangelwirtschaft, Menschen, die um jeden Peso hart schuften und sich abrackern, um sich und ihre Familie irgendwie durchzubringen. Uralte, halb verfallene Plattenbauten, wie sie heute nicht einmal mehr im Herzen der einstigen Sowjetunion existieren dürfen. Wer die Strandpromenade von Habana, dem Malecon, entlang schlendert, wird schockiert sein über Bauruinen und eingestürzte Häuser. Erinnerungen an einen Bombenangriff oder ein Erdbeben werden wach.

Wer es bis zum farbenfrohen, im Kolonialstil erbauten und gut erhaltenem Städtchen Trinidad schafft, wird verzückt sein – aber nur solange, als er nicht einen Blick hinter die Fassaden wirft. Denn dahinter verbergen sich Armut, Mangel und vielerorts auch Hoffnungslosigkeit. Eine alles und überall präsente Geheimpolizei steht jedem Individualismus entgegen. Aber gar so geheim ist diese gar nicht. In jedem Straßenzug in La Habana, in jedem noch so kleinem Kaff auf dem Land ist der CDR (Comité de Defensa de la Revcolución / Komitee zur Verteidigung der Revolution) gut sichtbar präsent. Auf Hausmauern und Straßenwänden steht offen deklariert, in welchem CDR-Rayon man sich gerade bewegt und wer die örtliche Führung des CDRs innehat.

Trotz aller Widrigkeiten: Kubaner strahlen eine oft beneidenswerte Herzlichkeit und Vitalität aus. Nichts kann sie umbringen. Improvisieren um im Alltag zu überleben, ist eine Grundtugend jeden Kubaners.

Doch eines darf ebenso wenig verschwiegen werden: Kuba hat eines der besten Gesundheitssysteme weltweit. Die medizinische Grundversorgung eines jeden Kubaners ist sichergestellt, auch wenn es allzu oft an Arzneimitteln und medizinischen Gerätschaften mangelt. Die Kindersterblichkeit ist eine der niedrigsten weltweit. Jedes Kind hat freien Zugang zu Schule und Bildung, die Alphabetisierungsrate liegt heute bei 97% und übertrifft damit so manchen europäischen Staat und die USA (US-Alphabetisierungsrate liegt bei 90%). Auch verhungern muss niemand auf Kuba – eine Art Mindestsicherung und Lebensmittelkarten sichern jedem Kubaner das Überleben.

Und wer dann in der Bodeguita del Medio, der Lieblingsbar von Hemingway in Habana einen Mojito oder einen Cuba libre schlürft, wird sich insgeheim fragen: Was ist wohl erstrebenswerter: Irgendwo im gierigen und kapitalzerstörten Amerika homeless auf der Straße, ohne Kranken- und Altenversicherung dahinzuvegetieren oder im sozialistisch runter gewirtschafteten Kuba zu leben, wo die Grundbedürfnisse abgesichert sind, im Krankheitsfall qualitativ hochwertige, medizinische Versorgung gewährleistet ist, und jederfrau und jedermann freien Zugang zu den Bildungseinrichtungen hat?!

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