Borneo

Alleine schon der Name Borneo erzeugt abenteuerliche Bilder im Kopf: weitläufige, üppige und kaum zu durchdringende Regenwälder, ein schier unvorstellbarer Artenreichtum und gefährliche Tiere wie Giftschlangen und aggressive Krokodile. Borneo ist auch das Zuhause der Orang Utans und der Langnasenaffen. Borneo ist Heimat für viele Pflanzen und Tiere von denen manche bis heute unentdeckt sind.

Borneo ist die Heimat von zahlreichen Naturvölkern, die sich einst brutal bekämpften. Die Bilder von Kopfjägern und Kannibalen tauchen im Kopf auf, wenn man sich seinen Weg durch den Dschungel bahnt. Unzählige Moskitos schwirren herum und zahlreiche Blutegel machen es dem Urwaldwanderer schwer. Neben der Natur bietet Borneo eine Reihe von idyllischen Ständen und kleinen Inseln, die jedes Jahr eine größere Zahl an Touristen anlockt.

Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt. Sie ist in vier politische Distrikte eingeteilt.  Sabah and Sarawak (Malaysia), Kalimantan (Indonesia) und der unabhängige, Kleinstaat, das Sultanat Brunei.

Während der Osterferien bereisten Claudia, Jakob und ich Borneo. Da wir nur 11 Tage Zeit hatten, beschlossen wir uns auf drei Regionen von Borneo zu beschränken: Kuching – Muli – Kota Kinabalu

Erste große Aufregung bereits vor unserem Abflug nach Borneo am Flughafen von Singapore: Wir hatten bereits alle Pass- und Gepäckkontrollen passiert und waren auf dem Weg zum Boarding Gate als Jakob bemerkte, dass sein Reisepass fehlte. Er musste ihn irgendwo am Weg zwischen dem letzten Checkpoint und dem Weg zum Gate verloren haben. Es blieben nur mehr 7 Minuten um den Reisepass zu finden – dann würde das Boarding Gate schließen und der Flieger ohne uns nach Borneo abdüsen. Wir gingen den Weg zurück zum letzten Checkpoint und suchten angestrengt den Boden ab – vergeblich! Wir konnten den Pass nicht finden. Wir fragten am Checkpoint und am Infoschalter ob Jacob’s Reisepass gefunden wurde – leider nein. Während wir zum Boarding Gate zurück gingen, machte sich Jakob nochmals daran den Boden genauestens abzusuchen. Wir hatten uns geistig schon darauf eingestellt den Flug zu verpassen, als Jakob daher gebraust kam und seinen Reisepass freudestrahlend in Händen hielt. Am rotbraunen Teppich des Airports war der ebenfalls in rot gehaltene Reisepass nur schwer auszumachen, aber Jakob’s Adleraugen erspähten ihn trotzdem. Just in time! Keine zwei Minuten später wäre der Flieger ohne uns nach Kuching abgeflogen.

Kuching (unten: die futuristische Brücke von Kuching)

Kuching ist die Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sarawak. Kuching ist eine liebliche Stadt mit einer einmaligen Mischung aus kolonialen und modernen Gebäuden. Der Sarawak Fluss windet sich durch die Stadt, Spazierwege an seinen Ufern laden zum Flanieren ein. Der Hingucker ist ganz klar die neue, geschwungene Brücke über den Fluss. Am Abend erstrahlt sie in hellen, bunten Farben. Der beste Weg um einen ersten Eindruck von Kuching zu gewinnen ist eine Bootsfahrt am Fluss.  Wir mieteten ein Sampan, das ist ein chinesisches Hausboot, und genossen eine wunderbare Bootsfahrt. Am Abend sind wir in das bunte Treiben an der Waterfront eingetaucht und haben die besondere Atmosphäre von Kuching in uns aufgesogen.

Wer einmal den Wert des Lebens realisiert hat wird mit seinen Gedanken weniger in der Vergangenheit verweilen sondern sich auf die Sicherung der Zukunft konzentrieren. Diese Worte von Dian Fossey inspirierten uns, uns genauer mit der Arbeit des Mantang und Semenggoh Naturreservats zu beschäftigen.  Diese Einrichtung fokussiert mit seiner Arbeit auf die Rettung und Rehabilitation von Orang Utans. Diese faszinierende Tiere teilen zu 97% unsere menschliche DNA. Orang Utan bedeutet soviel wie Waldmensch. Sie sind nur auf Borneo und Sumatra zu finden. Durch die voranschreitende Abholzung der Regenwälder, wahllose Bejagung und illegale Gefangennahme sind die Orang Utans ein hoch gefährdete Tierart.

Die  heart2heart foundation lädt Freiwillige ein gegen Bezahlung an ihrer  täglichen Arbeit teilzunehmen. Der sogenannte Freiwilligen Tourismus ist ein rasch wachsender Nischenmarkt.  Die Freiwilligen Arbeit im Rahmen der heart&heart Organisation erlaubt den Teilnehmern einen tieferen Einblick in die tägliche Arbeit zum Schutz der Orang Utans.

Wir haben an so einem Freiwilligen Tag teilgenommen. Unsere Arbeit reichte vom Putzen der Käfige bis zur Vorbereitung des Futters. Ausgerüstet mit Helm, Stiefel und Mundschutz stürzten wir uns in die Arbeit. Die Böden der Käfige waren zum Schrubben und Säubern. Danach packten wir Futter in Blätter und verschnürten diese. Schließlich mussten wir das Futter im Gehege verstecken. So sollen die Tiere lernen ihr Futter aufzuspüren und auszupacken. Wie in der freien Wildbahn haben die Tiere für ihr Futter zu arbeiten.  (rechts: wir bei der Zubereitung des Futters)

Unsere Freiwilligen Arbeit war gerade einmal ein Hineinschnubbern in die Aufgaben und Herausforderungen der heart&heart Foundation. Dennoch war es ein bleibendes Erlebnis und wird immer mit unserem Borneo Besuch verbunden bleiben.

Mulu National Park (MNP)

Die nächste Station auf unserem Borneo Trip war der Gunung Mulu National Park. Seit dem Jahr 2000 ist der Park ein UNESCO Weltkulturerbe. Mit dem Flieger ging’s zum Mulu Airport – ein kleiner Dschungelflughafen mit gerade einmal einer Landebahn die zugleich Startbahn ist. Jakob war einigermaßen überrascht als er den Flughafen sah, vor allem in Hinblick auf die großzügige Ausgestaltung seines „Heimatflughafens“ in Singapore.

Der MNP ist ein geschützter Regenwald. Er ist bekannt für seinen scheinbar undurchdringlichen Regenwald, für seine Berggipfel und Höhlen. Man kommt hier her um das Leben in unzerstörter Natur zu erfahren. Je weiter man in den Dschungel vordringt um so näher fühlt man sich dem Leben, wie es vor tausenden Jahren gewesen sein muss, als der Mensch irgendwo im afrikanischen Dschungel zum Leben erweckt wurde: Hitze, extreme Luftfeuchtigkeit und unzählige Quälgeister wie Moskitos und Blutegel. Abenteuer hat seinen Preis – wer bereit ist diesen Preis zu bezahlen, wird mit unzähligen und unvergesslichen Erlebnissen und Abenteuern belohnt.

Wir haben unser Dschungel Abenteuer mit einer Art „Borneo light“ gestartet. Wir quartierten uns in der MNP Regenwald Lodge ein.  „Leider “ war unser Langhaus mit Klimaanlage, heißen Duschen und elektrischen Strom ausgerüstet. Zumindest war die Internetverbindung im Camp mehr als schlecht, sodass Jakob einen ersten Eindruck von einem Wifi-freien Leben bekam. Das war ganz in unserem Sinne um Jakob an ein simples, naturnahes Leben heran zu führen, ohne ihn gleich zu schockieren.

Unser erster Ausflug in den Dschungel führte uns über gut präparierte Wege in die nähere Umgebung des Camps. Einmal das Camp hinter uns gelassen, waren wir von ohrenbetäubendem Dschungelgeräusch umgeben. Zikaden! Millionen und Abermillionen von Zikaden, viele von ihnen handballengroß, sorgten für diesen unvorstellbaren Lärm. Nach vielen Jahren im Boden sind sie hervorgekommen und haben nun gerade einmal 14 Tage Zeit um sich fortzupflanzen. Dazu müssen die Männchen zirpen – je lauter desto besser. Nur die Lautesten, die, die anderen übertönen kommen an ein Weibchen heran. Der Lärm ist unvorstellbar und steht dem eines startenden Düsenjets um Nichts nach. Ihr Zirpen ist so laut, dass die meisten anderen Geräusche des Dschungels dagegen verstummen. Man muss sich richtiggehend  konzentrieren, um einen Vogel singen oder einen Frosch quaken zu hören.

Immer wieder erspähten wir 2 x 2 Meter große Netze, die auf dünne Stahlgerüste gespannt waren. Diese Netze werden von Biologen ausgelegt. An Hand der Anzahl der Insekten, die sich im Netz verfangen lassen sich Rückschüsse auf die ungeheure Anzahl von Insekten machen, die den Urwald bewohnen. Immer wieder verfangen sich auch neue, bisher unentdeckte Insekten im Netz der Wissenschafter und so werden laufend neue, bisher unbekannte Insektenarten gefunden.

Zur Abenddämmerung erreichten wir die berühmte Deer Höhle. Sie wird von Millionen von Fledermäusen bewohnt. Jeden Abend zum Sonnenuntergang fliegen sie heraus und gehe auf Nahrungssuche. Zusammen mit anderen Touristen platzierten wir uns etwa 500 Meter entfernt von Höhlenausgang und warteten darauf, die Tiere heraus fliegen zu sehen. Zuerst kamen nur einige wenige Fledermäuse, quasi die Vorhut und erkundeten das Terrain – und dann, gleich der Eruption eines Vulkans, flogen Schwärme von tausenden Fledermäusen aus der Höhle und malten große schwarze Flecken in den Himmel. Sie flogen aus der Höhle, kreisten an einer ca. 300 Meter hohen, senkrechten Felswand hinauf und verschwanden schließlich in Richtung Sonnenuntergang. Nach knapp 30 Minuten ebbte der Strom der Fledermäuse ab. Die Höhle war leer. Erst am Morgen nach rund 10 Stunden in der Luft, kehren die Fledermäuse zurück und hängen sich kopfüber in der Höhle zur „Nachtruhe“ auf. Am nächsten Abend beginnt das ganze Spektakel dann wieder von vorne los.

Am nächsten Tag machten wir uns daran das Dach des Regenwaldes zu erkunden. Die Parkverwaltung hat ein Netz von 15 schmalen Hängebrücken entlang der Baumwipfel installiert. Diese Canopy Tour durch die Baumwipfel dauert in etwa 2 Stunden und vermittelt ganz neue Eindrücke vom Leben im Regenwald. Natürlich darf man keine Höhenangst haben, da viele der schwankenden Brücken bis zu 50 Meter über dem Boden gespannt sind. Aber das Abenteuer zahlt sich allemal aus.

Die Pinnacles.

Die berühmten Pinnacles im MNP Park bestehen aus einer Reihe rasiermesserscharfer Spitzen, die bis zu 45 Meter hoch sind. Der Blick auf die Pinnacle ist ein außergewöhnliches Erlebnis und auch der Marsch hinauf zu ihnen ist ein herausforderndes Abenteuer. Die Entfernung vom Basecamp bis zu den Pinnacle scheint gering, gerade einmal 2,3 Kilometer. Es ist die Höhendifferenz, die den Besuch der Pinnacles zu einer veritablen Herausforderung macht: Auf dem Weg zu den 2,3 km entfernten Pinnacle muss eine Höhendifferenz von 1200 Metern überwunden werden. Unvorstellbar steil, dazu kommn Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und die üblichen Quälgeister wie Moskitos und Blutegel, die den Bergsteiger zu ihrem Festmahl erkoren haben. Dazu noch die Nachricht, dass es keine 14 Tage  her ist, das ein Bergsteiger aus England am Weg zu den Pinnacle in den Tod gestürzt ist.

Der Anstieg zu den Pinnacles war hart, super anstrengend, aber noch viel anstrengender war der Weg zurück hinunter ins Camp. Es war einer der härtesten Trails die ich je gegangen bin. Jakob hingegen tat sich leicht – alle meine Sorgen waren unbegründet. Für ihn schien der Weg zu den Pinnacles und wieder zurück gerade einmal eine längere Wanderung durch den gebirgigen Dschungel zu sein. Excellent job! Nach insgesamt 9 Stunden Dschungelwanderung kehrten wir wohlbehalten zum Camp zurück.

 

Tauchen in Kota Kinabalu (KK)

Die dritte Station unseres Borneo Aufenthaltes waren die Strände und Riffe von Kota Kinabalu. Jakob wollte Tauchen lernen und so organisierten wir für ihn und mich  einen Tauchkurs in KK. KK ist die Hauptstadt vom District  Sabah im nördlichen Teil von Borneo. Seine Küste und Riffe sind ideal für Schnorcheln und Tauchen. Schon die Anreise nach KK war ein Erlebnis für sich. Mit großen Augen schaute Jakob auf die 2-Propeller Maschine mit der wir nach KK flogen. Keine Stewards begleiteten uns zur 18-sitzigen Maschine. Unsere Plätze waren direkt hinter dem Cockpit. Da das Cockpit keine Türen hatte, konnten wir den Piloten bei ihrer Arbeit beobachten. Noch immer etwas ungläubig beobachtete Jakob die Vorgänge im Cockpit. Ein Handgriff hier und dort einen Schalter umgelegt und schon begannen sich die Propeller drehen. Der Steuerknüppel am Dach des Cockpits wurde leicht gedrückt und das Flugzeug setzte sich in Bewegung. Die Piloten steuerten das Flugzeug zur Startbahn. Ein Pilot drückte den Hebel am Cockpitdach weiter nach vorne und die Motoren drehten sich schneller. Der zweite Pilot zog das Steuerrad zu sich und das Flugzeug hob ab. Jakob war noch immer etwas verkrampft, aber je höher das Flugzeug stieg umso relaxter wurde er. Es war toll über den weiten Regenwald Borneos zu fliegen. Irgendwo da unten hatten wir uns durch den Dschungel gekämpft um die Pinnacles zu besteigen.  Dann flog die Maschine über dem Meer. Neugierig beobachteten wir die vielen Fischerboote und Frachtschiffe. Jedes von zeichnete eine lange weißes Spur in das tiefblaue Meer.

Nach kaum 45 Minuten begannen die Piloten mit dem Landeanflug auf KK. Einmal mehr begeisterte uns die Arbeit der Piloten. Der ganze Flug war von Hand gesteuert – ohne Autopilot. Auch die Landung erfolgte per Hand und auf Sicht. Einmal mehr drückten und drehten die Piloten Knöpfe und Schalter, der Hebel am Cockpitdach wurde sanft zurück gezogen, das Steuerrad wurde mit großer Behutsamkeit bedient. Ein leichter Ruck und wir waren zurück auf Mutter Erde.

Am Flughafen von KK wurden wir von einem Mitarbeiter der Tauchschule abgeholt und zur kleinen Insel Manukan, knapp 2 Kilometer von KK’s Küste entfernt. Nach einem kleinen Mittagessen begann der Tauchkurs mit einer Einführung in die Tauchausrüstung: das sog. Buoyancy Control Device (BCD), der Atemregler, die Pressluftflasche. Nach einer gründlichen Einschulung zogen wir die Ausrüstung an. Puh – war die schwer! Etwas unbeholfen schafften wir es, die ganzen Sachen anzuziehen. Schließlich waren zwei gebückte Froschmänner bereit ins Wasser zu watscheln. Die wenigen Meter von der Tauchbasis zum Meer waren wirklich anstrengend. Im Wasser hatten wir dann Probleme die Tauchflossen anzuziehen. Während wir im Wasser trieben zogen und zerrten wir an den Flossen um diese irgendwie auf unsere Füsse zu bekommen. Aller Anfang ist schwer. Aber irgendwie schafften wir es und waren nun bereit mit den ersten Tauchübungen zu beginnen. Langsam entleerten wir unser BCD und gemächlich sanken wir unter Wasser. Obwohl nahe zum Ufer sahen wir die ersten Fischschwärme durch das Wasser gleiten. Uns Anfänger erschienen diese Fische wie die wundersamsten und elegantesten Geschöpfe der Erde. Mit verschiedenen Übungen machten wir uns mit der Ausrüstung und seiner Funktionsweise vertraut: Aufblasen und entleeren des BCD, was den Taucher entweder aufsteigen oder absinken lässt; spezielle Atemübungen und Handhabung des Atemreglers um zu lernen was zu tun ist, wenn das Atemgerät nicht einwandfrei funktioniert. Die Zeit verging wie im Flug und schon mussten wir wieder aus dem Wasser.

Zurück in der Tauchbasis spürte ich die Nachwirkungen unserer Besteigung der Pinnacles: Beim Abstieg rutschte ich einmal aus und fiel hin. Ich schürfte mir die Handfläche auf , verknackste mir den Daumen und zog mir einen 10 Zentimeter langen Schnitt am Oberschenkel zu. Die Verletzungen schienen mir vernachläßigbar als es passierte, aber nun im Salzwasser begannen die Wunden höllisch zu brennen. Zudem hinderten mich die Schmerzen im Daumengelenk den Knopf zum Aufblasen und Entleeren des BCD richtig zu bedienen. Zu Beginn des Tauchabenteuers waren alle Schmerzen durch die Aufregung wie weggeblasen. Aber je länger ich im Wasser war umso mehr spürte ich die Schmerzen. Am nächsten Morgen versuchte ich nochmals die Tauchausbildung fortzusetzen – aber vergeblich. Die Wunden wurden vom Salzwasser aufgeweicht, sie brannten unerbärmlich. Der Rücken meiner linken Hand war vom Daumen bis zum kleinen Finger angeschwollen, ich konnte den BCD Regulator nur unter großen Schmerzen bedienen. Es wurde mir klar: Ich werde meine Tauchambitionen fürs Erste aufgeben müssen – und vor allem wollte ich für Jakob kein Hemmschuh in seiner Tauchausbildung sein.

Um es kurz zu machen: ich stieg aus dem Tauchkurs aus, Jakob machte weiter und nach 4 Tagen bekam Jakob sein erstes PADI – Tauchzertifikat. Open Water Tauchen bis 12 Metern Tiefe – Gratulation!!!

 

 

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