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Autofahren in Singapur

 

Jeder, der den Verkehr in europäischen oder asiatischen Metropolen kennt, wird positiv überrascht sein, wenn er nach Singapur kommt. Keine verstopften Straßen und Blechlawinen, die sich im Schritttempo vorwärts bewegen. Nicht einmal an einem Montag Morgen. Und selbst wenn wieder einmal ein sintflutartiger Regen über Singapur niedergegangen ist, gibt es keinen Verkehrsinfarkt. Und vor allem eines überrascht positiv: keine unerträgliche Luftverschmutzung und kein Smog beeinträchtigen die Lebensqualität in Singapur. Wie hat Singapur das geschafft? So wie in vielen anderen Bereichen, haben vorausschauende Politiker früh genug gegen gesteuert und ein kluges Verkehrskonzept implementiert.

1.) Ein gut durchdachtes Verkehrskonzept.:

– Gut ausgebaute Straßen mit manchmal bis zu 6 Fahrspuren in eine Richtung garantieren, dass selbst zu Spitzenzeiten der Verkehr flüssig fliesst. Dazu kommt ein beinahe perfekt funktionierendes öffentliches Verkehrssystem.

– mehr als 300 Buslinien mit ca. 4.600 Bussen fahren fast jeden Winkel in Singapur an.

– ein weit verzweigtes U-Bahn Netz mit modernen selbstfahrenden Zügen (von Personen gesteuerte U-BahnZüge sind die Ausnahme!)

– niedrige Fahrpreise, die nach individueller Fahrt (Entfernung, Tageszeit) kalkuliert werden

– in Summe 200 Kilometer überdachte Gehwege zu und weg von den Bus- und U-Bahn Stationen. So können die NutzerInnen der öffentlichen Verkehrsmittel bei jedem Wetter trockenen Fusses ihr Ziel erreichen

2.) Extrem hohe Steuern auf Autos und Straßenmaut:

Nirgendwo sonst in der Welt ist Autofahren so teuer wie in Singapur. 1975 war Singapur das erste Land weltweit, das ein road pricing System eingeführt hat. Schritt für Schritt wurden weitere monetäre Maßnahmen ergriffen, um das Autofahren unattraktiv zu machen: Extrem hohe Steuern und  Einfuhrzölle auf Autos sowie das COE System haben Singapore vor dem Verkehrsinfarkt gerettet und geholfen, die Anzahl der Autos in Singapur überschaubar zu halten.

– Die Ausgabe eines Nummernschildes für ein Auto setzt den Besitz einer sogenannten  COE voraus. (COE = Certificate of Entitlement = Berechtigungszertifikat) Vom Verkehrsministerium wird nur eine bestimmte Anzahl von COEs aufgelegt, die in einem öffentlichen Bieterverfahren erworben werden können. Zweimal im Monat findet eine öffentliche Auktion statt, im Zuge dessen Interessenten für ein COE bieten können. Der Rufpreis hängt von PS bzw. Kubikzentimeter Hubraum des Autos ab, für das ein COE ersteigert werden soll. Und nun festhalten! Der günstigste Rufpreis für ein COE  liegt bei 35.000,– Euro. Wie viel im Endeffekt wirklich für ein COE hinzublättern ist hängt von Angebot und Nachfrage ab. Und so kann es schnell sein, dass der Preis für ein COE auf über 70.000,– Euro und mehr klettert und so oftmals den Wert des Autos übersteigt. Das COE gilt für 10 Jahre und kann nach Ablauf nochmals, abhängig vom Zustand des Autos, auf weitere 5 bis 10 Jahre verlängert werden.

– Importzölle und Luxussteuern treiben die Preise von Autos in astronomische Höhen. Einige Beispiele: Ein Mittelklassewagen mit 70 bis 100 PS wie z.B. ein Mazda 2 kosten in Österreich, abhängig von der Ausstattung, zwischen 16.000 und 19.000,– Euro. In Singapur muß man für das selbe Auto schon einmal 70.000,– Euro locker machen.   Der günstigste Audi A4 kostet in Singapur 110.000,– Euro, (in Österreich rund 36.000,– Euro), der günstigste BMW aus der 5er Serie kostet 150.000,– Euro (in Österreich 55.000,–)

– Nicht zu vergessen die COE, die noch zusätzlich zu allen Kosten zu berappen ist. Autofahren ist richtig teuer in Singapur – neben Uhren und Wohnungs- bzw. Hauseigentum das dritte Statussymbol in Singapur

Alle diese Maßnahmen, manche sprechen auch von Strafmaßnahmen, haben dazu beigetragen, dass Singapur die Verkehrsentwicklung unter Kontrolle hat halten können.  In Singapur kommen auf einen Einwohner 0,16 Autos (in Österreich 0,55 bzw. 0,66 Autos / Einwohner in Deutschland.

Wie immer man über die Verkehrspolitik in Singapur denken mag, eines bleibt unbestritten.  Sie führt zu den gewünschten Ergebnissen und die Regierung in Singapur unternimmt alles, um attraktive und fair gepreiste Alternativen zum privaten Verkehr anzubieten.

Some Pictures to car driving in Singapore

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